Karpaltunnelsyndrom

andere Schreibweisen: Carpaltunnelsyndrom, abgekürzt KTS / CTS.

Wie äussert sich ein Karpaltunnelsyndrom? – Die Nerveneinklemmung macht sich durch Gefühlsstörungen bemerkbar: Die Finger kribbeln, werden taub, „schlafen ein“, ein Gefühl wie Ameisenlaufen. Man muss dann die Hand schütteln. Das geschieht oft nachts oder am Morgen und kann dann auch schmerzhaft sein. Das kommt auch bei bestimmten Handhaltungen vor wie z.B. Zeitung lesen, Telefonhörer halten, Fahrradfahren, Motorrad fahren. Das betrifft am Anfang nur den Mittelfinger, dann den Daumen, Zeige- und Mittelfinger, manchmal alle Finger, manchmal die ganze Hand, nachts auch den ganzen Unterarm oder den ganzen Arm.

Wie verläuft die Erkrankung? Anfangs kribbeln nur gelegentlich die Finger. Nach einigen Monaten oder Jahren kann es dazu kommen, dass man nachts wegen Kribbeln oder Schmerzen an den Fingern aufwacht. Bei weiterem Fortschreiten der Nerveneinklemmung werden die Finger permanent „taub“ (schlechtes Gefühl). Der Daumenballen bekommt eine Delle, weil der Muskel schrumpft. Schliesslich hat man fast gar kein Tastgefühl mehr an den Fingerkuppen. Dies tritt in der Regel erst nach Jahren auf.

Karpaltunnelsyndrom Skizze

Karpaltunnelsyndrom Skizze

Was ist die Ursache? Der Medianus-Nerv (Mittelnerv) ist der wichtigste Gefühlsnerv. Er läuft am Handgelenk zusammen mit 9 Beugesehnen durch einen Tunnel, der von Handwurzelknochen und einem festen Band (Retinakulum) gebildet wird. Wenn die Sehnenscheiden der 9 Beugesehnen anschwellen oder sich im Laufe des Lebens verdicken, hat der Nerv weniger Platz im Tunnel und wird zusammengedrückt (Mittelnerv-Einklemmung). Dadurch können die Nervenfasern nicht mehr richtig funktionieren und melden falsche Eindrücke an das Gehirn.

Wer bekommt ein Karpaltunnelsyndrom? Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Vermutlich führt ein erblicher Faktor im Laufe des Lebens zu Schwellungszuständen der Sehnenscheiden. Frauen bekommen 3-mal häufiger ein Karpaltunnelsyndrom als Männer. Wer an der einen Hand ein Karpaltunnelsyndrom hatte, kann leicht auch eines an der anderen Hand bekommen.
Karpaltunnelsyndrom während der Schwangerschaft: Manchmal kann bei jungen Frauen während oder kurz nach der Schwangerschaft ein Karpaltunnelsyndrom auftreten. Es ist dann durch die Schwangerschaftshormone bedingt. Hier kann man zunächst abwarten, oft verschwindet das Karpaltunnelsyndrom einige Monate nach der Entbindung wieder.
Unfallbedingtes Karpaltunnelsyndrom: Verletzungen und Schwellungen in der Nähe des Handgelenks, vor allem auch Speichen- bzw. Handgelenksbrüche, können zu einer Einengung im Karpaltunnel und damit zu einem Karpaltunnelsyndrom führen.
Bestimmte Krankheiten wie z.B. Nierenleiden oder rheumatoide Arthritis können ein Karpaltunnelsyndrom verursachen.

Wie kann man ein Karpaltunnelsyndrom feststellen? Der Arzt – Neurologe oder Handchirurg – kann durch bestimmte Untersuchungstests an der Hand relativ sichere Hinweise finden. Beweisend und immer notwendig ist eine elektrische Nervenuntersuchung (Neurografie) durch einen Neurologen, und zwar deshalb, weil der Nerv selten auch am Hals oder in Schlüsselbeinnähe einklemmen kann. Nur in Zweifelsfällen kann manchmal eine Untersuchung mit Ultraschall oder ein MRI notwendig sein.

Was kann ich bei einem Karpaltunnelsyndrom selbst tun? Eine oft hilfreiche Massnahme ist eine nächtliche Klettschiene, die das Handgelenk in Streckstellung hält und dadurch oft die nächtlichen Schmerzen verhindern kann. Ansonsten kann man versuchen, abends durch Eisauflage oder Diclofenac-Salbe an der Beugeseite des Handgelenks die Schwellung einzudämmen.

Wann sollte man ein  Karpaltunnelsyndrom operieren? Dann, wenn es richtig stört. Dann, wenn man unter Schmerzen leidet bzw. nicht mehr gut schlafen kann. Auf jeden Fall dann, wenn dauerhafte Gefühlsstörungen eingetreten sind. Allerspätestens dann, wenn der Daumenballen kleiner wird bzw. eine Delle bekommt. Im Zweifelsfalle dann, wenn die elektrische Nervenprüfung deutlich krankhafte Werte zeigt.

Wie wird operiert? Bei einem sonst gesunden Patienten wird die Operation ambulant durchgeführt. Dabei wird das Band durchgeschnitten. Es wächst innerhalb weniger Wochen wieder zusammen, lässt dem Nerven aber dann mehr Platz. Es gibt eine offene Methode mit einem nur ungefähr 2,5 cm langen Längsschnitt und eine endoskopische Methode mit einem etwas kleineren Querschnitt am Handgelenk. Beide Methoden sind in ihren Ergebnissen gleichwertig. In beiden Fällen ist die Narbe nach der Abheilung kaum noch sichtbar.
Nach der Operation kann man nach ca. 2-3 Wochen wieder am Schreibtisch arbeiten. Bei handwerklich-körperlicher Arbeit sind ungefähr 4-6 Wochen Schonung nötig. Es können leichte abnehmende Schmerzen an der Narbe auftreten, die meist 6 Wochen nach der Operation verschwinden, in selteneren Fällen erst nach 6 Monaten.
Die Taubheit der Finger verschwindet nach der Operation meist sofort oder nach einigen Tagen. Bei schweren Einklemmungen, die schon lange bestehen, kann das allerdings auch Wochen oder Monate dauern.

Muskelschwund am Daumenballen

Muskelschwund am Daumenballen

Was kann passieren, wenn man sich nicht operieren lässt? Manche Patienten schieben die Operation aus Angst vor sich her. Wartet man zu lange, kann es in manchen Fällen dazu kommen, dass sich das Tastgefühl trotz Operation nicht wiederherstellen lässt. Fängt der Muskel am Daumenballen zu schrumpfen an, lässt er sich meist nicht wiederherstellen. Das führt zu bestimmten feinmotorischen Störungen, man kann beispielsweise nicht mehr eine Büroklammer vom Tisch aufnehmen.

Links:
Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Patienteninformation der Amerikanischen Gesellschaft für Handchirurgie (englisch)